Ich arbeite nicht mit Erklärungen.
Nicht, weil ich sie ablehne, sondern weil sie dort enden, wo Wahrnehmung beginnt.

Was mich interessiert, ist ein Raum, der vor Sprache liegt. Ein Raum, in dem Gedanken nicht diskutiert, sondern wahrgenommen werden. In dem Gefühle nicht gedeutet, sondern verortet werden. In dem Identität nicht erzählt, sondern organisiert wird – so, wie ein Körper Haltung organisiert, ohne darüber nachzudenken.

Dieser Raum ist nichts Besonderes. Er ist weder spirituell noch therapeutisch. Er ist schlicht da, sobald man aufhört, etwas festhalten zu wollen. Gedanken tauchen auf, Gefühle nehmen Gestalt an, Bilder entstehen. Man kann sie betrachten, verschieben, näher heranholen oder auf Abstand bringen. Manche passen. Andere nicht. Manche waren nie die eigenen.

Was nicht zu mir gehört, löst sich nicht durch Einsicht, sondern durch Erkennen. Wie ein Fremdkörper, der plötzlich als solcher auffällt. Dann verschwindet er nicht dramatisch. Er wird einfach überflüssig. Und dort, wo er war, entsteht eine Leerstelle. Keine Lücke. Kein Mangel. Sondern Raum.

Dieser Raum will nicht gefüllt werden.
Er will sich schließen.

Nicht durch etwas Neues, sondern dadurch, dass sich die Ränder wieder verbinden. Dass etwas, das vorher getrennt war, wieder zusammenfindet. Das fühlt sich nicht euphorisch an. Es fühlt sich ernst an. Körperlich. Still. Manchmal anstrengend. Manchmal überraschend einfach.

Ich lade niemanden ein, das mit mir zu tun.
Ich lade ein, diesen Raum alleine zu betreten.

Es braucht keine Anleitung. Keine Technik. Keine Zielsetzung. Nur die Bereitschaft, etwas wahrzunehmen, ohne es sofort zu bewerten. Ohne gut oder schlecht. Ohne richtig oder falsch. Widerstand gehört dazu. Angst auch. Beides ist kein Hindernis, sondern ein Zeichen dafür, dass man bereits am Rand dieses Raumes steht.

Vielleicht ist das der entscheidende Punkt:
Der Moment, in dem man glaubt, noch draußen zu sein, ist oft der Moment, in dem man längst drin ist. Der Widerstand ist keine Tür. Er ist eine Schwelle.

Was fehlt, ist nicht Mut.
Es fehlt nur das Erkennen, dass man diesen Raum bereits kennt –
und dass man ihm vertrauen kann.

Ich beschreibe hier keine Methode.
Ich verspreche keine Veränderung.
Ich lade zu nichts ein, was erreicht werden müsste.

Ich benenne nur einen Wahrnehmungsraum,
in dem Identität nicht gemacht wird,
sondern sich ordnet,
wenn man aufhört, ihr etwas aufzuzwingen.

Wer diesen Raum betritt, wird nichts Neues finden.
Aber vielleicht etwas, das nie hätte getragen werden müssen.

Und manchmal ist genau das genug.